Obwaldner Gewerbeumfrage

Medienmitteilung: Stabile Geschäftslage beim Obwaldner Gewerbe – Wunsch nach verstärktem Dialog zwischen GVO, Schulen, Politik und Betrieben

Die aktuelle Obwaldner Gewerbeumfrage zeigt, dass die Obwaldner Wirtschaftslage weiterhin solide ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass die schulische Vorbereitung und der Ausbildungsstand der Schulabgängerinnen und Schulabgänger hinsichtlich der Anforderungen der Ausbildungsbetriebe optimiert werden müssen. Mit Blick auf die zukünftige Fachkräftesicherung wünscht sich die Mehrheit der befragten Betriebe deshalb einen verbindlichen und regelmässigen Austausch zwischen Schulen, Politik, Berufsbildungsinstitutionen und dem Gewerbeverband Obwalden (GVO), um gemeinsam tragfähige Lösungen für eine zukunftsorientierte Berufsausbildung zu entwickeln.

Der Gewerbeverband Obwalden (GVO) führt seit fünf Jahren eigene Befragungen unter den Gewerbebetrieben durch, um deren Einschätzungen zur Geschäftslage, Arbeitsmarktsituation und zu aktuellen Herausforderungen einzuholen. Die Ergebnisse zeigen jeweils den Ist-Zustand, während der regelmässige Vergleich die Entwicklung und Tendenzen sichtbar macht. Rund 20 Prozent der Teilnehmenden sind Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitenden. Der grösste Teil der Teilnahme entfällt auf das Baugewerbe (36 %), gefolgt von der Dienstleistungsbranche (22 %) und dem verarbeitenden Gewerbe (20 %).

Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die Obwaldner Gewerbebetriebe mehrheitlich positiv. Auf einer Skala von 0 bis 10 geben die Betriebe einen Wert von 7.78 an, was einer leichten Verbesserung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Knapp ein Fünftel der Unternehmen erwartet eine positive Entwicklung, während rund drei Viertel von einer stabilen Situation ausgehen. Nur eine Minderheit rechnet mit rückläufigen Aufträgen.

Auch die Einschätzung der Arbeitsmarktsituation zeigt eine positive Tendenz: Rund fünf Prozent mehr Unternehmen als im Vorjahr geben an, ihre Fachkräfte selbst ausbilden oder mit vertretbarem Aufwand finden zu können. Gleichzeitig berichten jedoch weiterhin 14 Prozent, dass sie praktisch keine geeigneten Fachkräfte finden. Dieser Wert konnte zwar leicht gesenkt werden, bleibt jedoch ein relevanter Risikofaktor.

Bei der offenen Frage zu den grössten aktuellen Herausforderungen ergibt sich folgendes Bild: Fachkräftemangel, Personal- und Nachwuchssituation führen mit rund 60 Prozent aller Nennungen deutlich die Sorgenliste an, gefolgt von Bürokratie und administrativen Auflagen (rund 20 Prozent). Die allgemeine Wirtschaftslage, Preisdruck und steigende Kosten (rund 15 Prozent) sowie Digitalisierung und KI (rund 10 Prozent) werden ebenfalls genannt. Die Ausbildung und Motivation der Jugendlichen erreicht 7 Prozent der Nennungen und steht im Zusammenhang mit den Erwartungen an die schulische Grundbildung und den Einstieg in die Berufslehre.

Die ergänzenden Fragen zur Berufsbildung zeigen deutlich, welche Kompetenzen aus Sicht der Ausbildungsbetriebe heute für einen erfolgreichen Einstieg in die Lehre fehlen bzw. zu wenig entwickelt sind. Besonders häufig wird der Ausbau der Basisfertigkeiten in Deutsch (Rechtschreibung, Grammatik, Ausdruck), Lesen, Textverständnis sowie Mathematik gefordert. Diese Fähigkeiten werden als unverzichtbare Grundlage für Berufsbildung, Alltag und gesellschaftliche Teilhabe bezeichnet.

Die Rückmeldungen unterstreichen, dass Jugendlichen häufiger Eigenverantwortung, Durchhaltevermögen, Selbstorganisation, Belastbarkeit, Disziplin und Motivation fehlen. Betriebe wünschen sich Lernende, die Aufgaben zuverlässig ausführen, Rückmeldungen annehmen und mit Herausforderungen selbstständig umgehen. Unternehmen beobachten zudem einen veränderten Umgang mit Regeln, Leistungsbereitschaft und Kommunikationsnormen. Die Verantwortung wird sowohl bei der Schule als auch bei den Eltern verortet. Gefordert wird ein gleichwertiges Zusammenspiel von Erziehung und Bildung, mit klar kommunizierten Erwartungen, verbindlichen Regeln und nachvollziehbaren Konsequenzen.

Zahlreiche Rückmeldungen wünschen sich eine frühere, realitätsnahe Berufsorientierung, zudem soll die Berufslehre kommunikativ und gesellschaftlich aufgewertet werden, insbesondere im Vergleich zu akademischen Bildungswegen.

Die Umfrageergebnisse zeigen ein einheitliches und klar priorisiertes Bild: Die Volksschule soll Kernkompetenzen und klare Strukturen stärken, praxisnah ausbilden und realistische Erwartungen vermitteln. Eltern sollen ihren Erziehungsauftrag stärker wahrnehmen, insbesondere im Hinblick auf Wertehaltung, Mediennutzung, Selbstständigkeit und Umgang mit Herausforderungen. Der GVO soll aktiv den Dialog mit Politik, Schulen und Ausbildungsbetrieben institutionalisieren und die Öffentlichkeitsarbeit für die Berufslehre intensivieren.

Auswertung Obwaldner Gewerbeumfrage